Sterne

26.03.2022
19:30 | Tonhalle, St. Gallen

Glarner Kammerchor
St. Galler Kammerchor
Leitung: Katharina Jud

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 – 1847): Hebriden Ouvertüre, Op. 26
Joseph Joachim Raff (1822 – 1882): Die Sterne, Kantate für Chor und Orchester
Johannes Brahms (1833 – 1897): Schicksalslied, Op. 54

STERNE – ein besonderes musikalisches Programm, das die Romantik hochleben lässt und neben Bekanntem auch mit selten Gehörtem aufwartet.

Im Zentrum steht die Kantate «Die Sterne» von Joseph Joachim Raff. Dieser wird 2022 seinen 200sten Geburtstag feiern. Schon länger wurde der Glarner Kammerchor von der Raff-Gesellschaft angefragt, zu diesem Jubiläum ein Werk des in der Schweiz geborenen Komponisten aufzuführen.

Raff wuchs in Lachen auf und übte sich früh im Geigen-, Klavier- und Orgelspiel. Nachdem er unter anderem als Lehrer in Rapperswil ins Berufsleben eingestiegen war, bot sich ihm im Sommer 1845 die Möglichkeit, sein grosses Vorbild Franz Liszt bei einem Konzert in Basel zu erleben und zu sehen. Da Raff kein Reisegeld hatte, marschierte er bei strömendem Regen zu Fuss. Leider waren bei seiner Ankunft alle Plätze ausverkauft, aber Liszt erfuhr von seinem Verehrer, liess ihn zusätzlich in den Konzertsaal und gab ihm einen besonderen Platz auf der Bühne. Durch Liszts Vermittlung erhielt Raff ab Herbst 1845 eine Anstellung in einer Kölner Musikalienhandlung, womit seine Schweizer Zeit endete und sein Leben als Komponist begann. Als solcher wurde er sowohl von Liszt als auch von Mendelssohn empfohlen, ein Förderer und langjähriger Freund wurde ebenso der Pianist Hans von Bülow, der seinerseits auch wieder mit Liszt und Brahms in naher Verbindung stand. Die Komponisten des Konzertprojekts STERNE standen also seinerzeit im nahen Kontakt zueinander.

Auch inhaltlich lassen sich die ausgewählten Werke schön in Beziehung zueinander setzen: für seine Vision zum Thema «Sterne» hat Raff in der ihm bekannten Literatur nichts Passendes gefunden und so seine Tochter (Helene Raff, Pseudonym Helge Heldt) beauftragt, seine Gedanken zu «verreimen“.

Musikalisch kostet Raff Sternbilder (Teil I und II), Kometen (Teil III) und Sternschnuppen (Teil IV) orchestral-tonmalerisch aus. Mit dem letzten Teil der Kantate (Nr. V), verlässt Raff Naturschilderung und Astrologie und wendet sich der konfessions- und glaubensübergreifenden Idee von einer in die Ferne entrückten, aber letztlich alles kontrollierenden «höheren Macht» zu.

 

Auch das Schicksal darf als eine solche «höhere Macht» bezeichnet werden und dieses wird im «Schicksalslied», dem von Brahms vertonten Hölderlin Text besungen. Hölderlin lässt seinen Romanhelden Hyperion das Lied nach einem Abschied aufs Meer hinausblickend singen. Brahms soll von diesem Text während eines Ferienaufenthalts erfahren haben und ebenfalls am Meer sitzend mit der Komposition begonnen haben.

Und somit schliesst sich am Ende des Konzertprogramms der Kreis zu dessen Beginn, wo mit Mendelssohns Hebriden Ouvertüre eben dieses Meer musikalisch dargestellt wird. Oder wie es bei Helene Raff, alias Helge Heldt heisst:

 

«Wie glänzet so hehr,

so hoch die nächtige Ferne,

wie glänzen der Himmel, die Erde, das Meer

im milden Lichte der Sterne!»

 

Gemeinsam mit dem Glarner Kammerchor und dem St. Galler Kammerchor freuen wir uns darauf, das «Licht der Sterne» klingen zu lassen!

 

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